Projekt-Logbuch

  1. Wie alles begann

    Marxloh im Duisburger Norden gehört zu den Stadtteilen, die aufgrund des Strukturwandels in den vergangenen Jahrzehnten vor besonderen Herausforderungen stehen. Der Rückzug der Montanindustrie seit den 1970er und 1980er Jahren hat starke Veränderungen gebracht, die Marxloh bis heute prägen: der Verlust von Arbeitsplätzen, sinkende Kaufkraft und der Fortzug ökonomisch stabiler Bevölkerungsschichten.

    Rund 64 Prozent der insgesamt ca. 20.000 Marxloher haben einen Migrationshintergrund. Der Stadtteil ist stark vom Zuzug aus Südosteuropa geprägt: Aktuell wohnen dort 92 Bevölkerungsgruppen mit unterschiedlicher sprachlicher, religiöser und kultureller Orientierung. Vor diesem Hintergrund haben sich die Schulleitungen der drei Grund- sowie der weiterführenden Schulen zusammengetan und ein gemeinsames Positionspapier im Juni 2018 verfasst.

    Die Schulleitungen waren der Auffassung, dass aufgrund der komplexen Rahmenbedingungen die immer offensichtlicher werdenden Benachteiligungen von Kindern und Jugendlichen im Stadtteil Marxloh nicht mehr durch die einzelnen Schulen mit ihren personellen, räumlichen Ausstattungen sowie den bisherigen pädagogischen Konzepten aufgefangen werden können. 1,5 Jahre später ist der Bildungsfairbunt.Marxloh gestartet.

  2. Vertragsunterzeichnung zwischen Stadt, Land und Stiftung

    Im Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium in Duisburg-Marxloh hat am 15. Januar 2020 die Auftaktveranstaltung des Bildungsfairbunt.Marxloh stattgefunden. Die Kollegien der fünf beteiligten Schulen konnten bereits an diesem Tag gemeinsam Ideen für die Zusammenarbeit einbringen. Dabei wurden die sechs Handlungsfelder vorgestellt, es gab künstlerische Aufführungen gemeinsam mit Künstlerinnen und Künstlern des Klavierfestival Ruhr und der Kooperationsvertrag wurde unterzeichnet – durch NRW-Bildungsministerin Yvonne Gebauer, den Oberbürgermeister der Stadt Duisburg, Sören Link und den Geschäftsführer der Wübben Stiftung, Markus Warnke. Die Kooperation konnte starten.

    Fotos der Eröffnungsveranstaltung:

  3. Der Bildungsfairbunt.Marxloh startet

    Anfang Februar ist der Bildungsfairbunt.Marxloh dann offiziell gestartet. Es wurden zum Start die Arbeitsstrukturen thematisiert und erstes Thema im Bildungsfairbunt waren die Übergänge zwischen den Schulformen. Wie können die Schulen beim Übergang von Grundschule zur weiterführenden Schule stärker zusammenarbeiten? Wie kann gemeinsam der richtige Weg für jedes Kind gefunden werden? Hier konnte an Erfahrungen der Schulen angeknüpft werden.

    Zweites Thema der ersten Phase des Bildungsfairbunt waren die Familiengrundschulzentren. Berücksichtigt wurden dabei die Planungen unterschiedlicher Förderrichtlinien in Nordrhein-Westfalen, die eine Unterstützung von Familienzentren an Grundschulen einschließen.

  4. 1. Lockdown: Die Schulen werden geschlossen

    Sechs Wochen nach dem der Bildungsfairbunt.Marxloh gestartet ist, wurden ab dem 15. März zum ersten Mal in der Pandemie die Schulen für den Präsenzunterricht geschlossen. Während die weiterführenden Schulen in Duisburg-Marxloh bereits mit IServ ausgestattet waren, über eigene Server verfügten und Eltern und Schülerinnen und Schüler Zugriff hatten, waren die Grundschulen kaum digital ausgestattet. Der Anbieter IServ hat zu Beginn der Schulschließungen eine kostenlose Cloud-Version angeboten. Die Grundschulen nutzten diese und die Stadt Duisburg hat anschließend die Finanzierung übernommen. Keine der fünf Schulen verfügte zu diesem Zeitpunkt über eine gute Internetverbindung. Die weiterführenden Schulen wurden im Verlauf des Jahres 2020 an das Glasfasernetz angeschlossen.

    Neben der Herausforderung die Schülerinnen und Schüler im Lockdown zu erreichen, standen die Schulen auch vor der Aufgabe, im Kollegium neue Kommunikationskanäle einzurichten und das Kollegium zusammenzuhalten. Hier kam ein Vorteil des Bildungsfairbunt.Marxloh zum Vorschein. Die Herbert-Grillo-Gesamtschule verfügt über eine große Aula und bat den Kollegien der Grundschulen an, sich dort unter Einhaltung der Hygienemaßnahmen zu treffen.


    Foto: ??? / Pause während der Klausur

    Bereits im März wurde deutlich, dass am geplanten Programm des Bildungsfairbunt nicht festgehalten werden konnte. Ursprünglich waren zwischen den Kollegien gegenseitige Hospitationen geplant sowie Veranstaltungen zur schulübergreifenden Zusammenarbeit. Im Sommer sollte eine gemeinsame Reise nach Berlin und Potsdam führen, um beispielhafte Bildungsprojekte zu besuchen – den Campus Rütli, die Quinoa-Schule und das Oskar Stadtteilzentrum Potsdam. Es waren auch Hospitationen im Ruhrgebiet geplant – beispielsweise zur Grundschule Kleine Kielstraße in Dortmund. Diese Vorhaben mussten aufgrund der Pandemie abgesagt werden.

  5. Förderrichtlinie für Familiengrundschulzentren

    Mitte April hat das Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen die Förderrichtlinie „kinderstark – NRW schafft Chancen“ veröffentlicht.

    Im Rahmen dieser Förderrichtlinie werden auch Familiengrundschulzentren gefördert. Als Ziel der zukünftigen Familiengrundschulzentren in Marxloh wurde die Stärkung der Kooperation zwischen den Familien und den Schulen definiert über passgenaue Angebote vor Ort die vielfältigen Bedarfe der Kinder, Jugendlichen und Eltern in Marxloh aufzugreifen. Diese reichen von Hilfe beim Lesen und Verstehen von Anträgen und Verträgen bis hin zu Fragen zum Versicherungsschutz oder Wohnangelegenheiten. Zum einen liegt der Fokus auf der systematischen Bündelung und Verzahnung der bestehenden Angebote und deren Andockung an Schule. Familien soll so möglichst direkt vor Ort weitergeholfen oder ihnen ein konkretes Angebot vermittelt werden. Zum anderen sollen auch neue Angebote und Kooperationen geschaffen werden, die Kinder und Eltern bei der Integration in den Schulalltag unterstützen (wie Eltern-Kind-Basteln und Bewegungsangebote).

    Für alle drei Grundschulen in Marxloh und drei weitere Standorte in Hochfeld hat die Stadt Duisburg Familiengrundschulzentren beantragt. Gleichzeitig hatten die Schulen mit der Pandemie und somit einer großen Belastung zu kämpfen.

  6. Projektteam des Bildungsfairbunt.Marxloh ist komplettiert

    Anfang August wurde die Personalstelle des Bildungsfairbunt im Ministerium für Bildung und Schule besetzt. Damit war das Projektteam bestehend aus jeweils einer Mitarbeiterin/einem Mitarbeiter pro Kooperationspartner vollständig.

  7. Klausurtagung

    Im Oktober fand die Klausurtagung des Bildungsfairbunt Marxloh statt. Die Beteiligten, Schulleitungen sowie Vertreterinnen und Vertreter von Stiftung, Stadt und Land, haben sich zwei Tage in Kamp-Lintfort getroffen. Es wurden die Meilensteine für die kommenden Monate aktualisiert.

    Foto: Klausurtagung/Kerstin Lehner

  8. Bildungsfairbunt.Marxloh arbeitet mit IServ

    Für die Netzwerktreffen und die schulübergreifende Arbeit innerhalb des Bildungsfairbunt.Marxloh wurde im November ebenfalls IServ eingerichtet.

  9. Leitung des Familienzentrum Grundschule Henriettenstraße besetzt

    Anfang Dezember hat die Leitung des Familiengrundschulzentrum an der Grundschule Henriettenstraße ihre Arbeit aufgenommen. Es handelt sich um die OGS-Leitung der Grundschule.

    Foto: Gebäude Henriettenstraße

  10. Der Lockdown geht weiter

    In allen Schulen und Schulformen wird der Unterricht mit dem Start nach den Weihnachtsferien ab dem 11. Januar 2021 als Distanzunterricht erteilt. Das stellt insbesondere Schulen in herausfordernden Lagen – wie in Duisburg-Marxloh – vor große Herausforderungen. Wie können die Eltern und Schüler*innen erreicht werden? Welche Lösungen gibt es, wenn es  an Kenntnissen im Umgang oder Internetzugang bei den Familien fehlt? Wie geht man mit Sprachbarrieren um u.a. mit Blick auf die Kommunikation der Corona-Regeln? In Duisburg-Marxloh haben alle Beteiligten die vorhandenen Ressourcen (Schulleitung, Kollegium, Schulsozialarbeit, Offener Ganztag, Familienzentren) innovativ genutzt und es gelang weitestgehend, den Kontakt und das Lernen aufrecht zu erhalten. Beispielweise konnten ältere Geschwister den Jüngeren bei dem Umgang mit IServ helfen, da die Älteren durch die weiterführenden Schulen damit schon Erfahrung hatten.

    Foto: Lernpaketausgabe / Gregor Entzeroth

  11. Teams Fairer Übergang und Fairer Start gestartet

    Beim ersten Treffen des schulübergreifenden Teams Fairer Übergang im Februar zeigte sich, dass die Erwartungen der Grundschulen und weiterführenden Schulen größtenteils deckungsgleich sind. Es wurden Ideen gesammelt und konkrete Maßnahmen festgelegt, um den Übergang von Klasse 4 zu Klasse 5 für die Schülerinnen und Schüler fair gestalten zu können: Hospitationen der Lehrkräfte an den unterschiedlichen Schulformen, Förderung der Viertklässler in Ferienkursen, Aktionen für Viertklässler, Vorstellung der weiterführenden Schulen. Im Bildungsfairbunt.Marxloh besteht das Team Fairer Übergang aus Vertretern der fünf Schulen.

    Ende Februar hat sich auch zum ersten Mal das schulübergreifende Team Fairer Start getroffen. Bei dem Treffen wurde thematisiert, dass die Schulanfänger ohne Kita-Erfahrung einen großen Anteil in den Grundschulen ausmachen. Es wurden Ideen gesammelt, was die Schulen für einen fairen Start in die Schulzeit benötigen: andere Räumlichkeiten, einen täglichen begleiteten Schulanfang, mehr pädagogisches Personal und eine engere Zusammenarbeit mit Erzieherinnen.

    Mitte Februar hat die Leitung des Familienzentrum an der Grundschule Sandstraße ihre Arbeit aufgenommen.

    Foto: Gebäude Sandstraße/Simone Wans

  12. Team Familiengrundschulzentren ist vollständig

    Mitte März hat die Leitung des Familienzentrum an der Regenbogenschule ihre Arbeit aufgenommen. Im März konnte sich u.a. dadurch das Team Familiengrundschulzentren im Bildungsfairbunt.Marxloh erstmalig mit allen Beteiligten treffen. Beim digitalen Treffen standen folgende Fragen im Fokus: Wie schauen die unterschiedlichen Professionen an und um Schule auf die Familiengrundschulzentren? Wie können durch schulübergreifende Kooperation Synergien geschaffen werden? Im Bildungsfairbunt.Marxloh besteht das Team Familiengrundschulzentren aus Vertreterinnen und Vertretern der drei Grundschulen der Gesamtschule, den Leitungen der Familiengrundschulzentren (FGZ) und die Schulsozialarbeit.

    Im Rahmen eines digitalen Treffens mit Christiane Mika, Leiterin der Libellen-Grundschule in der Dortmunder Nordstadt, lernten die Schulleitungen im März zudem das Netzwerk „Schulen im Dortmunder Norden“ kennen. Ein stetiger Austausch ist angedacht.